{"id":4648,"date":"2025-07-10T16:00:31","date_gmt":"2025-07-10T14:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hilfssheriff.de\/?p=4648"},"modified":"2025-07-10T16:00:31","modified_gmt":"2025-07-10T14:00:31","slug":"versicherer-im-fokus-neue-herausforderungen-in-der-geldwaeschepraevention","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stage.digital40.de\/2025\/rDflG\/versicherer-im-fokus-neue-herausforderungen-in-der-geldwaeschepraevention\/","title":{"rendered":"Versicherer im Fokus: Neue Herausforderungen in der Geldw\u00e4schepr\u00e4vention"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn es um spektakul\u00e4re F\u00e4lle von Geldw\u00e4sche geht, spielen Versicherer selten eine Hauptrolle. Das Versicherungsgesch\u00e4ft gilt insgesamt als wenig anf\u00e4llig und doch wird die Rolle von Versicherungen in der Geldw\u00e4schepr\u00e4vention h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt \u2013 sowohl in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung als auch in Teilen der Branche selbst. Bestimmte Versicherungssparten, insbesondere Lebensversicherungen mit Einmalbeitr\u00e4gen und R\u00fcckkaufswerten, bergen ein nicht unerhebliches Missbrauchspotenzial. Hinzu kommen neue Risiken durch flexiblere Versicherungsprodukte. Der Beitrag beleuchtet die aktuellen Herausforderungen f\u00fcr Assekuranzen und zeigt auf, wo Versicherer bei der Geldw\u00e4schepr\u00e4vention nachbessern sollten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Auch Versicherungen m\u00fcssen das Geldw\u00e4schegesetz beachten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bestimmte Versicherungsunternehmen unterliegen \u2013 wie Banken oder Zahlungsdienstleister \u2013 den Pflichten des Geldw\u00e4schegesetzes (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gwg_2017\/index.html#BJNR182210017BJNE000306128\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GwG<\/a>). Diese m\u00fcssen dieselben zentralen Pflichten erf\u00fcllen wie andere Verpflichtete auch. Dazu geh\u00f6ren insbesondere eine risikoorientierte Analyse der Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten (\u00a7 5 GwG), die Einrichtung interner Sicherungsma\u00dfnahmen (\u00a7 6 GwG), die Bestellung eines Geldw\u00e4schebeauftragten (\u00a7 7 GwG), die Identifizierung von Kunden (\u00a7 11 GwG) und die unverz\u00fcgliche Erstattung von Verdachtsmeldungen (\u00a7 43 GwG).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Anforderungen gelten f\u00fcr Versicherer, soweit sie jeweils<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a) Lebensversicherungst\u00e4tigkeiten anbieten,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) Unfallversicherungen mit Pr\u00e4mienr\u00fcckgew\u00e4hr anbieten,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c) Gelddarlehen und Akzeptkrediten vergeben oder<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">d) Kapitalisierungsprodukte anbieten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beschr\u00e4nkung hat mit der Risikogeneigtheit dieser Gesch\u00e4fte zu tun, da sich nicht alle Produkte der Versicherungsbranche f\u00fcr Geldw\u00e4sche anbieten. Tats\u00e4chlich kommt es jedoch eher selten zu F\u00e4llen von Geldw\u00e4sche, bei denen Versicherer involviert sind. Nach der <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Downloads\/Broschueren_Bestellservice\/2019-10-19-erste-nationale-risikoanalyse_2018-2019.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nationalen Risikoanalyse der Bundesrepublik<\/a> wird die Missbrauchsgefahr des Versicherungssektors deshalb insgesamt als <strong>mittel-niedrig<\/strong> eingestuft. Auch die Anzahl der bei der <a href=\"https:\/\/www.zoll.de\/DE\/FIU\/fiu_node.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Financial Intelligence Unit (FIU)<\/a> abgegebenen Verdachtsmeldungen ist im Vergleich zum Bankensektor \u00fcberschaubar. Dies hat auch damit zu tun, dass von den Versicherern kaum noch Bargesch\u00e4fte zugelassen werden, was die Verschleierung von Verm\u00f6genswerten deutlich erschwert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wandel in der Produktwelt als Risiko<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit einigen Jahren ist jedoch zu beobachten, dass sich das <strong>Versicherungsgesch\u00e4ft wandelt<\/strong>. Die Unternehmen bieten neue Produktformen an, um Neugesch\u00e4ft zu generieren. Der Trend geht hin zu sogenannten \u201eflexiblen Produkten\u201c. Diese bieten, anders als die klassischen Kapitalprodukte im Versicherungsbereich, flexible Ein- und Auszahlungen im Laufe der Vertragslaufzeit. Dabei kann der Versicherungsnehmer sowohl den Termin der Zahlungen als auch den Betrag frei w\u00e4hlen. Diese Produkte verhalten sich \u00e4hnlich wie Tagesgeld- und Sparprodukten und bieten daher mehr Potenzial f\u00fcr Geldw\u00e4sche und Terrorismusfinanzierung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Manuelles Monitoring st\u00f6\u00dft an Grenzen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Flexibilit\u00e4t f\u00fchrt jedoch auch zu einem h\u00f6heren \u00dcberwachungsaufwand und erfordert zunehmend entsprechende Systeme. Anders als die Banken unterliegen die Versicherungsunternehmen jedoch keiner gesetzlichen Verpflichtung, ein EDV-gest\u00fctztes Monitoring vorzuhalten. Fehlen solche IT-Systeme kann dies transaktionsbedingte Risiken begr\u00fcnden, da eine manuelle Kontrolle aller angetragenen Transaktionen kaum umsetzbar ist. Dar\u00fcber hinaus fehlen den Versicherungsunternehmen in der Regel auch die f\u00fcr eine Einsch\u00e4tzung n\u00f6tigen Informationen. Anders als Kreditinstitute, die aufgrund des umfangreichen Zahlungsverkehrs eine umfassende Einsicht in die Kundenbeziehung haben, verf\u00fcgen Assekuranzen nur \u00fcber einen eingeschr\u00e4nkten Einblick. Aufgrund des Informationsmangels f\u00e4llt es diesen Unternehmen schwer, Anhaltspunkte f\u00fcr Geldw\u00e4sche und Terrorismusfinanzierung zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Problematik hat auch die Aufsicht erkannt. In einem <a href=\"https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Fachartikel\/2024\/fa_bj_0626_Interview_Sperl.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview<\/a> auf ihrer Homepage empfiehlt die BaFin den Unternehmen mit einem entsprechendem Produktportfolio dringend, ein weitreichendes IT-Monitoring einzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Terrorismusfinanzierung durch Todesfallleistungen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Herausforderung sieht die BaFin auch im Bereich Terrorismusfinanzierung. In der Vergangenheit h\u00e4tten Terroristen wiederholt versucht, ihre Vorhaben durch hohe Todesfallleistungen aus Lebensversicherungen zu finanzieren. Besonders im Fokus st\u00fcnden dabei Risikolebensversicherungen, da diese bereits gegen vergleichsweise geringe Pr\u00e4mien innerhalb kurzer Zeit erhebliche Auszahlungssummen erm\u00f6glichen. Diese Mittel k\u00f6nnten dann gezielt zur Unterst\u00fctzung terroristischer Aktivit\u00e4ten eingesetzt werden. Ein besonders hohes Risiko ergebe sich, wenn der Todesfall im Ausland eintritt und die Todesfallleistung an eine im Ausland lebende beg\u00fcnstigte Person ausgezahlt werde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">PeP-Abkl\u00e4rung ernst nehmen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Potenzial bietet auch das Thema politisch exponierte Personen (PeP). Die Aufsicht moniert, dass nicht alle Unternehmen t\u00e4glich einen Abgleich mit entsprechenden PeP-Listen durchf\u00fchren. Dies erschwere die rechtzeitige Identifizierung m\u00f6glicher PeP im Bestand und das zeitnahe Ergreifen entsprechender Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch werde nicht immer ein m\u00f6glicher PeP-Status beim Kunden explizit abgefragt. Es sei vielmehr notwendig, bereits in den Vertragsformulare entsprechende Felder verpflichtend vorzusehen. Hier bestehe noch Nachholbedarf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mehr und intensivere Pr\u00fcfungen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kritik der Aufsicht bleibt nicht folgenlos. Die BaFin hat ihre Pr\u00fcfungen im Nicht-Bankensektor (zu dem auch Versicherer geh\u00f6ren) in 2024 im Vergleich zum Vorjahr <a href=\"https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Jahresbericht\/dl_jb_2024.html;jsessionid=9EA81F7B2EB98A51200B03A2FA8285FF.internet001\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">deutlich intensiviert<\/a>. Auch in 2025 beabsichtigt die BaFin Vor-Ort-Pr\u00fcfungen bei Versicherungsunternehmen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie umgehen mit den Herausforderungen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um den Anforderungen an eine angemessene Geldw\u00e4schepr\u00e4vention gerecht zu werden, muss die Branche sich ver\u00e4ndern. Einige Versicherer haben das erkannt und den Wandel bereits eingeleitet. Das best\u00e4tigt auch Thomas Ohlemacher, Produktmanager bei der ACTICO GmbH: <em>&#8222;Versicherungen ergreifen zunehmend Ma\u00dfnahmen, um ihre Geldw\u00e4sche-Pr\u00e4vention zu verbessern.&nbsp;Allein die Datenmenge bestehend aus Kunden- und Partnerdaten, Kontodaten, Sanktionslisteneintr\u00e4gen ist praktisch nur mit modernsten Technologien beherrschbar.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Ohlemacher r\u00e4t daher den Versicherern, sich mehr an den Vorgaben des Bankensektors zu orientieren: <em>&#8222;Leistungsf\u00e4hige Systeme zum Sanktions- und PEP-Listen-Screening sind erforderlich, um hohe Datenmengen von Kunden und Vertragspartnern zu analysieren und den Abgleich in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden, am besten t\u00e4glich, zu fahren. Nur so kann das Risiko in BaFin-Pr\u00fcfungen schlecht abzuschneiden minimiert werden.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wandel in der Produktwelt der Versicherer und die immer sch\u00e4rferen regulatorischen Anforderungen zwingen viele Unternehmen, sich intensiver mit dem eigenen Geldw\u00e4sche-Risikomanagement auseinanderzusetzen. Neben dem Nachholbedarf in Sachen EDV-Monitoring sind auch die Anforderungen an die Mitarbeitersensibilisierung nicht au\u00dfer Acht zu lassen. Schlie\u00dflich kommt es bei dem Erkennen von Geldw\u00e4sche und Terrorismusfinanzierung auch ma\u00dfgeblich auf die Kenntnis und Erfahrung der eigenen Besch\u00e4ftigten an. Nur so k\u00f6nnen auff\u00e4llige Transaktionen und Kundenbeziehungen rechtzeitig identifiziert und gemeldet werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table is-style-stripes\"><table><tbody><tr><td><strong>(<em><strong>M\u00f6chten Sie beim Thema Geldw\u00e4sche auf dem Laufenden bleiben? Dann k\u00f6nnen Sie sich <a href=\"https:\/\/www.hilfssheriff.de\/newsletter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> f\u00fcr unseren Newsletter anmelden &#8211; kostenlos und unverbindlich)<\/strong><\/em><\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wandel in der Produktwelt der Versicherer und die immer sch\u00e4rferen regulatorischen Anforderungen zwingen viele Unternehmen, sich intensiver mit dem eigenen Geldw\u00e4sche-Risikomanagement auseinanderzusetzen. 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